Erinnerungen
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Trauerrede vom 11.08.2023
Nicht am Ende
Wir waren nicht am Ende,
das sagt mir mein Gefühl.
Mit meinem ganzen Wesen,
würd' ich weiter mit dir lachen, weinen, selbst ein Streit wär schön.
Denn du wärst an meiner Seite. Wir waren nicht am Ende.
Das Leben, unsere Geschichte, da fehlt etwas.
Ich fühl mich leer, unendlich. Spürst du das auch?
Siehst du, hörst du mich,
wo du jetzt bist?
Wir waren nicht am Ende.
Man sagt, dass dieses Ende, Veränderung, ein Umbruch,
ein Anfang, ein ganz neuer sei.
Ich seh' das nicht.
Das ist zu nah.
Du warst mir nah - und jetzt?
Sind wir jetzt am Ende?
Oder dauert unsere Liebe an?
Eine Liebe, die nie geht,
die ewig ist, sich wandelt,
ihre eigene Geschichte schreibt. Dann wären wir noch nicht am Ende. Ich weiß es nicht.
Ich wünsche es so sehr.
Egal was kommt, ich bin mir eines sicher, so wie ich dich immer vermisse,
so werde ich dich nie vergessen.
Dann ist unsere Geschichte,
doch für die Ewigkeit geschrieben,
und wir sind noch nicht am Ende.
Jonas Ben Châabane
Mit diesen Worten möchte ich Sie begrüßen, zur Trauerfeier für Stefan Jauer- ning. Mein Name ist Jonas Ben Châabane. Ich bin Trauerredner und Trauer- begleiter aus Köln und ich durfte diese Feier mit seiner Frau Petra vorberei- ten. Petra hat natürlich versucht, so gut wie möglich, für weitere Menschen, die Stefan nah standen, mit zu erzählen. Allen voran selbstverständlich für Stefans Tochter. Mit Jasmin habe ich auch noch telefonieren können, und ein fast lebenslanger Freund, Friedemann, hat mir auch noch ganz persönliche Erinnerungen aufgeschrieben. Das war wertvoll. Schließlich wollte ich versu- chen Stefan durch die Geschichten ein wenig kennenzulernen. Sie alle haben sicher noch ganz eigene Erinnerungen im Gedächtnis. Wir gestalten seinen Abschied gemeinsam. Es geht darum Stefan noch einmal nah zu sein. Die- sen Ort, den Wald und den Baum, zu dem wir gleich zusammen gehen wer- den, hat er sich gemeinsam mit Petra ausgesucht. Es ist schön zu wissen, dass wir hier genau richtig sind.
Stefan und seine Frau haben sich 2019 kennengelernt. Beiden war sofort klar, dass sie versuchen werden gemeinsam weiterzugehen. Das Kennenler- nen und das Näherkommen war ganz kurz nach Stefans heftiger Diagnose. So straight und geradeaus wie er war, hielt er damit natürlich nicht hinterm Berg. Die Frage, ob die Krankheit die frische Beziehung in Frage stellen wür- de, musste gar nicht gestellt werden. Das war der Start einer außergewöhnli-
chen Liebesgeschichte, die gleichzeitig von Beginn an Krankenbegleitung war und schlussendlich zur Sterbebegleitung wurde. Die ersten Jahre stand die Krankheit nicht im Mittelpunkt. Sie war eher ein Schatten. Bis letzten Sommer ging es Stefan noch den Umständen entsprechend gut. Und Ende letzten Jahres wurde sogar noch geheiratet. Ich habe Fotos von dem Tag ge- sehen. Stefan stand aufrecht. Man sah ihm die große Freude, das Glück und auch die Anstrengung an.
„Ich habe mein Leben gelebt!“. Seine Worte. Er brachte zuletzt noch zum Ausdruck, dass es ihm an nichts gefehlt hat. Natürlich war nicht alles nur Sonnenschein. So etwas gibt es nicht. Sein Leben war auch immer wieder herausfordernd. Besonders viel gab er nicht von seinem Innersten preis. Eini- ges wird auch weiterhin im Verborgenen bleiben. Mehr oder weniger ist das bei uns allen so. Doch die Menschen, die ihm nah standen, wussten, dass er es schon als Junge im Elternhaus nicht leicht hatte. Der Anspruch seiner El- tern, besonders der des Vaters, ein gebildeter Juraprofessor, war hoch. Es kann sein, dass Träume auf der Strecke blieben. Die Familie litt wahrschein- lich. Weil zwei Geschwister von Stefan, eines älter, eines jünger, als Zweijäh- rige starben. So etwas prägt ein ganzes Leben. Wenn nicht drüber gespro- chen wird, auf eine Art und Weise, die aus der tiefen Trauer etwas ganz an- deres machen kann.
Die Menschen, die Stefan nah standen, waren sich auch darüber einig, dass sein Wesen von etwas Empfindsamen, etwas Weichem geprägt war. Nicht of- fensichtlich. Man musste ihm schon näher kommen, oder auch näher kom- men dürfen. Anzeichen für diesen Teil von ihm sind zum Beispiel, denke ich, der jugendliche Wunsch Friseur zu werden. Die Möglichkeit wurde ihm durch die klare Vorstellung des Vaters von Stefans Lebensweg verwehrt. Doch auch die Malerei, die ihn begleitet hat, oder die Liebe zu Blumen, erzählen
von Stefans „zarteren“ Seite.
Ganz sicher war er zielstrebig, großzügig, gewissenhaft und hatte Wissens- durst. Stefan war da, wenn er gebraucht wurde. Man konnte sich auf ihn ver- lassen, wenn man ihn nach Hilfe fragte und er die Möglichkeit hatte helfen zu können. Und, das wissen die Menschen, die ihn kannten natürlich am besten, Stefan hat gerne gelacht.
Wie erwähnt, haben Sie alle ganz bestimmt viele weitere Erinnerungen und Bilder an Ihren eigenen Stefan im Gedächtnis. Es ist nicht möglich so ein Le- ben in ein paar Worten zusammenzufassen. Darum machen wir nun eine kur- ze Pause und hören ein Stück Musik, das für heute ausgewählt wurde. Un- heilig singen am Ende von „An deiner Seite“, und das finde ich für heute sehr passend: „In diesem Augenblick bist du das einzige was zählt“.
Pause / Musik
Das Gefühl von Dankbarkeit hat in dem Gespräch mit Petra einen wichtigen Platz eingenommen. Auch Jasmin war dankbar für einen Vater, der da war und der sie stets unterstützt hat. Bestimmt gibt es für alle Menschen, die ihm nah standen, Gründe auch heute noch einmal „Danke“ zu sagen. Das ist wertvoll. Vor allem, wenn wir trauern. Die Dankbarkeit hilft uns all' die unter- schiedlichen Gefühle, die Teil der Trauer sein können, ein wenig zu sortieren. Denn, ich denke, das ist wichtig zu wissen, trauern ist viel mehr als eine Zeit lang traurig zu sein. Mal sind wir verzweifelt, enttäuscht, fühlen uns leer oder sind plötzlich wütend. Das ist alles wortwörtlich in Ordnung. Wegen dieses Wertes der Dankbarkeit würde ich nun auch gerne noch einmal im Namen von all' den Menschen, denen Stefan am Herzen lag „Danke“ sagen. Sie kön-
nen gerne Ihre ganz persönlichen Dinge in Gedanken hinzufügen.
Danke für das, was war
Danke –
wie oft habe ich dir zu Lebzeiten dieses Wort gesagt, manchmal ganz bewusst,
manchmal eher nebenbei,
manchmal aus tiefer Überzeugung,
manchmal eher wie eine Floskel.
Danke –
noch einmal will ich dieses Wort jetzt sagen,
aber nun kommt es mir anders über die Lippen:
Danke für das, was war,
was möglich war mit dir,
was du mir geschenkt hast an Liebe und Geduld,
an Verständnis, Treue, Lachen, Aufmerksamkeit...
Danke, dass du ein Stück deines Lebens mit mir geteilt hast.
Danke, dass wir ein Stück unseres Lebens miteinander gehen durften.
Danke –
dieses Wort kommt jetzt zutiefst aus meinem Herzen.
Alfons Gerhardt
Stefan selbst ist sicher auch dankbar für dieses Leben gewesen. Ich wieder- hole noch einmal seine Worte: „Ich habe mein Leben gelebt“. Dennoch war dieses Leben zu kurz und nun gegen Ende auch von einer schweren Krank- heit geprägt. Doch Stefan hat den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Ganz im
Gegenteil. Ich durfte mir noch viele Fotos von den letzten Monaten und Wo- chen anschauen. Gezeichnet von der Krankheit hat Stefan dennoch immer wieder in die Kamera gelächelt.
(...)
der Tod ist nichts.
Ich bin nur ins Nebenzimmer gegangen.
Was wir für einander waren, das sind wir weiter.
Nennt mich, wie ihr mich immer genannt habt.
Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt,
benutzt keinen anderen Ton,
lacht weiter über Dinge, über die wir gemeinsam lachten.
Betet, lächelt, denkt an mich.
Möge mein Name bei uns zu Hause immer ausgesprochen werden, wie er immer ausgesprochen wurde.
Der Faden ist nicht abgerissen,
Warum sollte ich aus euren Gedanken heraus,
nur weil ihr mich nicht mehr sehen könnt?
Ich warte auf euch.
Ich bin nicht weit, nur auf der anderen Seite des Weges.
Seht, alles ist gut...
Henry Scott Holland
Mit mir wurden noch viele Erinnerungen geteilt. Vom Backen im Sandkasten, vom Bootfahren im Planschbecken, von nächtlichen Fototouren durch Heidel- berg, von Stefans Leidenschaft für seine Eisenbahn oder die Räuchermänn- chen. Die Jahre der Selbstständigkeit waren anstrengend und arbeitsintensiv. Dennoch war das sein Ding. Da waren sich alle einig. Er hat sich über die Jahre etwas aufgebaut. Stefan, dieser große Mann, war auch ein Genießer. Petra und er sind kaum zählbar viele Male Essen gewesen. Diese letzten
Jahre waren trotz Krankheit sehr glückliche, schöne und wertvolle Jahre.
Jetzt geh ich einfach los
Mit nichts als meinem Herzen in der Tasche.
Beim Gehen werden Zweifel Asche
Und darum blüht das Land vor Freude unter meinem Tritt. Ich nehme nichts aus meinem Leben mit
Und leere viele Wünsche aus,
damit ich leichter werde.
Und langsam
- langsam -
lösen sich die Füße von der Erde.
Etwas wird bleiben,
etwas wird in unseren Herzen bleiben:
etwas von deinen Träumen, manchen konntest du folgen, anderen nicht, etwas von deiner Hoffnung, die mehr war als nur ein Fluchtweg
etwas von deinem Leben, das nicht immer nur leicht war, das du jedoch gerne gelebt hast,
und alles von deiner Liebe, die einfach das ist, was sie ist und was wahrhaftig aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von irgendeinem Urteil.
Weg zum Baum / Tina Turner „Hero“ / Ein Lieblingslied
Am Baum
Weisheit der Schamanen (bearb. und gekürzt von JBC)
Ich bin in der Welt mit euch, euer ganzes Leben lang.
Wo immer ihr seid, wo immer ihr geht, wo immer ihr sucht.
Ihr könnt mich sehen im Mond und in den Sternen,
Ihr könnt mich spüren im Wind, der euch umkreist.
Ihr könnt mich hören in den fließenden Wassern,
Ich bin mit euch, jetzt, in der sich ewig wandelnden Gegenwart, die wahre Ewigkeit ist.
Ich bin nirgendwo zu finden, nur da, wo ihr seid,
und sehen könnt ihr mich in allem, irgendwo, überall.
So findet mich jetzt, wo immer ihr seid.
Euren Weg werdet ihr dann in Schönheit gehen.
Kein Mensch lebt ohne Sinn und kein Mensch stirbt umsonst. Und unsere Erinnerungen verbinden wir auch immer mit einem Namen. Darum möchte ich seinen Namen hier noch einmal deutlich und zum letzten Mal sagen. Stefan Jauernig. Sein Name wird sicher allen in guter Erinnerung bleiben. Wir wünschen, dass er Frieden und Ruhe hat. Und dass er aufgenommen wird in die Liebe, die ihn auch von Ihnen allen aus umgibt und begleitet. Möge die Erde ihm leicht sein.
Die Menschen, die ganz besonders um ihn trauern, sollen Menschen an ihrer Seite haben, die ihnen beistehen. So lange, wie es braucht. Denn auch, wenn es nie mehr wird wie vorher, wird es eines Tages wieder gut.
Niemals geht man so ganz.
Irgendwas von mir bleibt hier.
Es hat seinen Platz immer bei dir.
Nie verlässt man sich ganz.
Irgendwas von dir geht mit.
Es hat seinen Platz immer bei mir.
Wahre Liebe ist ewiglich.
Ich vermisse zu wissen was du denkst,
Und zu hören wie dein Tag war,
Ich möchte sagen: "Ich vermisse das Grüne in deinen Augen",
Ich möchte sagen: "Ohne dich ist alles Falsch",
Ich möchte sagen: "Ich wünschte du hättest mich nicht verlassen"
Doch stattdessen sage ich: "Wo auch immer du jetzt bist, wünsche ich dir nur das Beste"
In Liebe
Deine Tochter Jasmin
Man lebt zweimal: das erste Mal in der Wirklichkeit, das zweite Mal in der Erinnerung.“
Honoré de Balzac


